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Das menschliche Ohr kann Milliarden von Geräuschen wahrnehmen. Erfahren Sie mehr darüber wie wir hören, und was unser Gehör alles leisten kann.
2020-01-23

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Wie viele Klänge kann ein Mensch gleichzeitig hören?

Das menschliche Ohr ist ausgesprochen leistungsfähig. Wir verfügen über ein breites Spektrum an Hörvermögen, und unser Intellekt erlaubt es uns, Klänge viel besser zu identifizieren als jede andere Spezies. Aber wie viel kann unser Gehör leisten, und wie viele Geräusche kann das menschliche Ohr gleichzeitig hören?

Menschen ohne Hörprobleme neigen dazu, das Gehör als selbstverständlich zu betrachten. Das ist normal – wir überlegen nicht immer, wie wir sehen und hören können. Wir konzentrieren uns nur auf das, was wir hören. Die Wissenschaft des Hörens und der Schallwahrnehmung ist jedoch ein großes Studiengebiet. Es bleiben hunderte von Fragen unbeantwortet, und wir lernen ständig mehr darüber, wie unser Gehirn und unsere Ohren zusammenarbeiten. Bevor wir auf die Prozesse im Gehirn während der Klangwahrnehmung eingehen, sollten wir verstehen, wie unsere Ohren funktionieren.

Anatomie des menschlichen Ohrs

Im Gegensatz zu Augen und Nase hat das Ohr viele bewegliche Teile. Das macht es besonders anfällig für Probleme, zeigt aber auch, wie perfekt der menschliche Körper arbeitet. Die meisten Teile des menschlichen Ohres sind von außen nicht sichtbar. Hier ist ein kurzer Überblick über das Ohr und seine Bestandteile.

  • Außenohr. Der sichtbarste Teil des Ohres. Während die Form und die mangelnde Flexibilität unsere Ohren primitiv erscheinen lassen, sind sie perfekt darauf ausgelegt, Schall zum Trommelfell zu leiten.
  • Gehörgang. Der lange Weg, den der Schall zurücklegt, um unser Trommelfell zu erreichen.
  • Tympanische Membran. Auch bekannt als das Trommelfell. Dieser Teil teilt das Außenohr und das Mittelohr und wird in Schwingungen versetzt, wenn Schall das Ohr erreicht.
  • Gehörknöchelchen. Drei kleine Knochen, die sich zusammen bewegen, um Schall zu übertragen: Hammer (Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel (Stapes). Sie sind im Mittelohr schwingend aufgehängt, damit sie Schall übertragen können.
  • Eustachi-Röhre. Verbindung von Nasen-Rachen-Raum und Mittelohr. Sie hält wie ein Ventil den Druck im Mittelohr im Gleichgewicht.
  • Cochlea (Hörschnecke). Ein schnecken- oder spiralförmiges Organ, das mit Flüssigkeit gefüllt ist und mikroskopisch kleine Haarsinneszellen enthält. Wellenartige Flüssigkeitsbewegungen regen diese Härchen an, so dass das Gehirn Tonhöhe und Lautstärke erkennen kann.
  • Bogengänge. Wichtig für das Gleichgewicht. Sie bestehen aus drei flüssigkeitsgefüllten Gängen, die jeweils für die Wahrnehmung horizontaler Bewegungen, vertikaler Bewegungen und Neigung zuständig sind.
  • Hörnerv. Auch bekannt als der Cochlea-Nerv. Dieser überträgt den Schall als elektrische Impulse von der Cochlea an das Gehirn.

Wie das Ohr funktioniert

Jetzt, da wir jeden Teil des Ohres kennen, können wir herausfinden, wie es funktioniert. Ob Sie es glauben oder nicht, fast jedes der oben aufgeführten Bestandteile spielt eine entscheidende Rolle bei der Art und Weise, wie wir hören. Tatsächlich gibt es verschiedene Arten von Hörverlust, je nachdem, wo ein Problem liegt. Während sich unsere Ohren weiterentwickelt haben, um perfekt zusammen zu arbeiten, schafft die Vielzahl der Teile viel Raum für Dinge, die schief gehen können.

Klang wird in Form von Klangwellen übertragen. Diese Klangwelle erreicht das Außenohr, und gelangt durch den Gehörgang zum Trommelfell. Das Trommelfell, oder die Tympanische Membran, wird dadurch in Schwingungen versetzt was wiederum die Gehörknöchelchen im Mittelohr anregt, diese Schwingungen an das Innenohr und die Cochlea weiterzuleiten.

Sobald die Schwingungen die Cochlea erreichen, werden sie entsprechend verarbeitet. Schwingungen mit einer großen Amplitude oder hohen Schwingungsweite werden als laut wahrgenommen, während geringe Amplituden oder Schwingungsweiten als leise wahrgenommen werden. Die mikroskopischen Haare auf der Cochlea verarbeiten Tonhöhe und -nuance. Dadurch, dass die Cochlea schneckenförmig ist, dringen einige Töne tiefer in die Spirale ein, als andere. Klänge mit mehreren Nuancen stimulieren verschiedene Teile der Cochlea zur selben Zeit. Die Cochlea übernimmt den wichtigsten Teil und verarbeitet Klang in ein lesbares Format: Hirnsignale. Über den Hörnerv wird Klang vom Ohr zum Gehirn übermittelt.

 

 

Das bringt uns zum nächsten Schritt, unser Gehör zu verstehen: Die Psychoakustik.

Was ist Psychoakustik?

Kurz gesagt bezieht sich die Psychoakustik auf die Beziehung zwischen Schall und Gehirn. Das Gehirn ist für die Wahrnehmung und Identifikation von Schall zuständig, beide Schritte können sehr komplex und variabel sein. Schall kann eine physiologische und psychologische Reaktion hervorrufen, und die Psychoakustik widmet sich der Aufgabe, herauszufinden, wie und warum unser Gehirn auf Geräusche reagiert. Haben Sie zum Beispiel schon einmal sichtlich grundlos Gänsehaut bekommen, während Sie ein Musikstück angehört haben? Das ist es, was die Psychoakustik verstehen will: wie und warum wir auf Klang und Musik reagieren.

Die Psychoakustik bringt uns zu der großen Frage: Wie viele Töne können wir gleichzeitig hören? Ganz einfach ist diese Frage nicht zu beantworten, denn es kommt darauf an. In einem Raum voller Menschen hören wir technisch gesehen all ihre Stimmen. Sie mögen sich zu einer großen Klangwolke zusammenfügen, aber wir hören sie alle auf einmal. Die Psychoakustik erforscht jedoch, wie wir Klänge wahrnehmen. Während wir vielleicht viele Klänge hören, nehmen wir nur einige wenige wahr.

Während wir vielleicht eine tickende Uhr, die Schritte von jemandem, den Wind, ein Radio, eine Person, die mitsummt, und unseren eigenen Atem hören können, nehmen wir nur einige dieser Geräusche aktiv wahr. Unsere Ohren nehmen ständig Geräusche auf, auch wenn wir sie nicht wahrnehmen. Ziel der Psychoakustik ist es zu erforschen, welche Geräusche das Denken und Erkennen aktivieren und wie unser Gehirn auf die Welt um uns herum reagiert. Es gibt eine Menge zu lernen, und die Wissenschaft versucht immer noch, unser Gehirn und unser Hören zu verstehen.

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